29. November 2011 11:00
29. November 2011 11:00
150 Jahre Eintracht Hildesheim – das große Finale
Zwerge und Riesen, Turnküken und Spitzenathleten:
Die Jubiläums-Sportgala begeistert 1200 Zuschauer in der Sparkassen-Arena.
HAZ-Fotograf Chris Gossmann hat die bewegendsten Momente festgehalten.
Hildesheim (tbr). Es ist Sonnabend, 12.30 Uhr – und Hans Roths wird allmählich nervös. In drei Stunden soll die große Sportgala von Eintracht Hildesheim beginnen, aber in der Sparkassen-Arena sieht es noch ziemlich chaotisch aus. Überall stehen Geräte herum, Menschen laufen aufgeregt durcheinander. Eintracht-Geschäftsführer Roths schaut sorgenvoll auf die Uhr. Er bangt: „Hoffentlich kriegen wir alles rechtzeitig hin.“
Doch seine Sorgen sind unbegründet: Hinter dem scheinbaren Chaos steckt System. Eckhard Weidel ist die Ruhe selbst. Seit fast zwei Jahren ist der stellvertretende Klubchef mit der Organisation dieser Gala beschäftigt. Das Event soll zum Höhepunkt des 150-jährigen Vereinsjubiläums werden. Weidels Gelassenheit kommt nicht von ungefähr: „Ich habe so viele fleißige Helfer, da kann gar nichts schief gehen.“
Weidel und seine Kollegen haben sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Sie wollen keine wahllose Aneinanderreihung von Programmpunkten, sondern den 8000-Mitglieder-Verein in all‘ seinen Facetten präsentieren. Das gelingt schon im Vorprogramm: Als Zwerge verkleidet tollen die Kinder der Grundschulen Itzum und Moritzberg durch die Halle. Dazwischen sorgen riesige Phantasiegestalten auf Stelzen für Aufsehen, dargestellt
von der Hildesheimer Künstlergruppe Ars Saltandi. Groß (Riesen) und Klein (Zwerge) verschmelzen zu einer harmonischen Einheit.
Um Gegensätze geht es auch bei den ersten Gala-Showacts. Nachdemdie kleinen Zwerge das Parkett verlassen haben, ist die Generation 50 plus an der Reihe.
„Wir sind hier die Nachwuchsriege“, scherzt Wilma Beyerling. Die Seniorenfitnessgruppe hat sich einen bunten Programmpunkt ausgedacht – und sorgt in feschen Kostümen für gute Unterhaltung. Jung und Alt – bei Eintracht sind alle Altersgruppen vertreten.
„Vom Turnküken zum Spitzensport“ heißt der nächste Programmpunkt. Kaderathletinnen des Niedersächsischen Turnerbundes (NTB) treten zusammen mit dem Eintracht-Nachwuchs auf. Die Symbolik wird schnell deutlich: Vielleicht schaffen irgendwann auch einige der trainingsfleißigen Mädchen aus Eintrachts Turnriege den Sprung in den Leistungskader. Und noch eines wird klar: Eintracht Hildesheim steht in erster Linie für den Breitensport, hat sich aber auch die gezielte Förderung talentierter Sportler auf die Fahnen geschrieben.
1200 Zuschauer sind in die Sparkassen-Arena gekommen – „Bewegende Momente“, so lautet das Gala-Motto. Die Tricking-Truppe um Konstantin Katzera und Florian
Gems wirbelt durch die Halle. Mit Anlauf und aus dem Stand zaubern sie waghalsige Salti und Schrauben in die Luft. Tosenden Applaus heimst auch die NTBShowgruppe, bekannt aus ihren fulminanten Auftritten beim „Feuerwerk der Turnkunst“, ein. Doch die Beifallsstürme sollen sich noch steigern.
Weidel und seine Crew haben nämlich Gäste aus Berlin eingeladen. Sie hatten den richtigen Riecher. „Cosmos Power“ heißt die Formation aus der Hauptstadt – und die heizt die Stimmung mit ihrer Kraftakrobatik-Show bis zum Siedepunkt an. Die La-Ola-Welle schwappt durch die Arena. Und mit ihrer Trampolin-Nummer setzen die Berliner noch einen drauf. Moderator Clemens Löcke aus Salzgitter kündigt eine „weltweit einmalige Nummer“ an. Auf eine feststehende Wand wird die Fassade des Hildesheimer Rathauses projiziert. Daran hüpfen, klettern und purzeln die Trampolinkünstler auf und
ab, verschwinden zwischendurch in einemder eingebauten Fenster, um wenig später schwungvoll wieder aufzutauchen. Die Darbietung reißt die Zuschauer von den Sitzen. Sie fordern lautstark „Zuuugaaabe!“
„Eine tolle Show“, schwärmt Roths, dessen Nervosität längst purer Begeisterung gewichen ist. Selbst kleinere Pannen können die gute Laune nicht trüben. So hat Moderator Löcke Eintrachts Triathleten nicht auf demZettel. Die aber drehen auch ohne Ansage unbeirrt ihre
Runden.
Und ehe die „Fit Drums“ loslegen können, muss erst einmal die passende Musik herausgesucht werden. Diese kleinen Mängel sind spätestens beim großen Finale mit allen Teilnehmern vergessen. Noch einmal prasselt großer Beifall durch die Halle.
Apropos Finale: Die Sportgala bildete den krönenden Abschluss der Feiern zum 150-jährigen Eintracht-Jubiläum. Es war die letzte von 26 Jubiläumsveranstaltungen
in diesem Jahr. Und nachdem auch der letzte Besucher die Sparkassen-Arena verlassen hat, atmet Roths tief durch und verkündet scherzhaft: „Jetzt brauche ich erstmal drei Monate Urlaub.“
Hildesheimer Allgemeine Zeitung: Montag, 28. November 2011
Thorsten Berner
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